Monatsimpulse
Die biblischen Monatssprüche werden von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) jeden Monat aus dem ökumenischen Bibelleseplan für uns ausgewählt. Der Monatsspruch kann uns als Leitvers für den aktuellen Monat dienen.
Monatsspruch September 2026
„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Koh 4,5)
Liebe Tatendurstige,
Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Ferien sind vorbei. Der Herbst beginnt, an den Feldrändern stellen die Bauern Figuren aus Stroh auf, so wie die Kirche aus Stroh, die die Landjugend in Seppenrade im letzten Jahr aufgebaut hat.
Im Sommer, in der Urlaubszeit, gönnen sich viele Ruhe und nehmen sich Zeit für sich. Verreisen, genießen den Garten, tanken Sonnenschein, lassen die Seele baumeln. Und danach, im September, beginnt wieder die betriebsame Zeit des Herbstes. Tatendurstig stürzen wir uns in den Alltag: die Schule, die neue Ausbildung, ein neuer Dienst, die Arbeit.
„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind." (Kohelet 4,6)
Dieser Spruch steht dieses Jahr über dem September, wie passend. Er ruft uns auf, es ruhig angehen zu lassen. Sich nicht wieder Hals über Kopf in die Arbeit zu werfen, sondern auch mal innezuhalten. Es könnte sonst wie das Jagen nach dem Wind sein – eine unmögliche Aufgabe. Kinder, Ehe, Arbeit, Haushalt, Freunde, Verein, Hobby, Ehrenamt,… – schnell sind beide Hände wieder voll mit Mühe. Da sehnen wir uns danach, dass wenigstens eine Hand "voll mit Ruhe" ist.
Nehmen sie sich doch immer einmal wieder die Zeit und öffnen Sie Ihre Hand. Überlegen Sie: Was haben Sie heute schon alles angepackt? Dann stellen Sie sich vor, Gott legt eine Handvoll Ruhe dort hinein, wie ein Geschenk. Wenn die Ruhe die Hand füllt, passt nichts sonst mehr hinein.
Nicht alles ist Arbeit und Mühe. Sogar Gott selbst hat sich Ruhe gegönnt. Als Schöpfer nahm er sich immer wieder die Zeit, sein Werk zu betrachten. Er legte sogar einen Ruhetag ein. Ruhe gehört zu dieser Welt, als Teil der Schöpfung.
Möge Gott uns helfen, etwas von der Ruhe der Sommerferien in den Alltag hinüberzuretten.
Möge er uns allen eine Hand voll Ruhe schenken zum Atemholen und dankbaren Blick auf das, was ist.
Möge er uns davor bewahren, dem Wind nachzujagen und unseren Blick auf das zu richten, was uns wirklich wichtig ist.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch August 2026
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)
Liebe Lebenshungrige,
Was macht ein Leben zu einem erfüllten Leben? Wir leben in einer Zeit mit unendlichen Angeboten. Schnell ist das Leben gefüllt mit Vergnügungen, Reisen, Terminen und Aufgaben. „YOLO“ – „You Only Live Once“ – klingt nach Freiheit, kann aber auch zur Jagd nach dem nächsten Kick werden. Oder wir gehen im Alltag auf, mit vollem Kalender und dem Gefühl: Ohne uns geht es nicht.
Und doch kommt irgendwann die Frage auf: Ist mein Leben wirklich erfüllt – oder nur voll? Fülle ich es mit Dingen, die tragen, oder mit Nebensächlichkeiten, die am Ende leer zurücklassen?
Eine Parabel erzählt von einem Lehrer, der einen Krug zuerst mit großen Steinen, dann mit Kies und Sand füllt. Jedes Mal scheint der Krug voll zu sein, und doch passt noch etwas hinein.
Der Krug steht für das Leben, die Steine für das Wesentliche, Kies und Sand für Alltägliches und Nebensächliches. Entscheidend ist: Die Steine müssen zuerst hinein. Wer sein Leben zuerst mit Kleinem füllt, hat am Ende keinen Platz mehr für das Große.
Zum Schluss gießt der Lehrer noch Bier dazu: Für Gemeinschaft mit Freund:innen ist immer Platz.
Was aber sind die großen Steine? Familie, Freundschaft, Gesundheit, Glück? Jede und jeder muss darauf eine eigene Antwort finden.
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“
Jesus bietet einen Lebensentwurf an, der mich überzeugt. Er verspricht keinen vollen Geldbeutel, keine sorgenfreie Biografie und keine Tage ohne Tränen. Leben in Fülle meint vielmehr ein Leben, das in tiefer Verbundenheit gründet:
· mit mir selbst – zu wissen, wer ich bin und was mir wichtig ist,
· mit anderen Menschen – Freundschaft, Liebe, echtes Miteinander,
· mit der Natur – zu wissen, ich bin Teil von etwas Größerem,
· mit Gott – mit dem Ursprung des Lebens, mit dem Sinn.
Leben in Fülle bedeutet nicht, mich ständig beweisen zu müssen, alles im Griff zu haben oder jeder Möglichkeit hinterherzujagen, aus Angst, etwas zu verpassen. Es bedeutet auch nicht, dauernd um mich selbst zu kreisen.
Aus der Verbundenheit mit mir selbst, mit anderen, mit der Schöpfung und mit Gott wächst Gelassenheit. Ich darf vergeben, getragen leben und dankbar sein. Und ich darf weitergeben, was mir geschenkt ist: Liebe, Trost, Hoffnung und Freude. Meine Antwort auf die Frage nach einem erfüllten Leben lautet: Ich bin da, um aus der Fülle Christi zu leben – und etwas davon in diese Welt hineinzutragen.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch Juli 2026
„Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)
Liebe Gerechte,
Diese Worte des Propheten Amos sind mehr als 2500 Jahre alt – und doch klingen sie, als wären sie für unsere Zeit geschrieben. Amos erhebt seine Stimme gegen Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Gleichgültigkeit. Er erinnert daran: Gott will nicht nur schöne Worte und feierliche Gottesdienste, sondern ein Leben, in dem Recht und Gerechtigkeit sichtbar werden.
Viele Jahrhunderte später greift Martin Luther King diesen Ruf auf. In seiner berühmten Rede „I have a dream“ spricht er von der Hoffnung auf eine Welt, in der Menschen nicht nach Hautfarbe, Herkunft oder Status beurteilt werden, sondern in Würde und Freiheit leben können:
„Nein, wir sind nicht zufrieden, und werden nicht zufrieden sein, bis die Gerechtigkeit wie ein Gewässer und Rechtschaffenheit wie ein mächtiger Strom herunterquellen.“ (Martin Luther King, 28. August 1963)
Seine Worte haben Millionen Menschen Mut gemacht – besonders denen, die unter Rassentrennung, Diskriminierung und sozialer Ungerechtigkeit litten.
Auch heute ist dieser Traum nicht erfüllt. Noch immer erleben Menschen, dass sie ausgeschlossen, übersehen oder benachteiligt werden. Besonders schmerzt es, wenn Kinder und Jugendliche erfahren: Ich gehöre nicht dazu.
Darum brauchen wir Orte, an denen etwas von Gottes Gerechtigkeit spürbar wird. Unser offener Jugendtreff „Gaudium“ möchte so ein Ort sein. Kinder von 6 bis 12 Jahren sind willkommen – egal, woher sie kommen, wie sie aussehen oder was sie mitbringen. Sie dürfen hier spielen, basteln, toben, lachen und Gemeinschaft erleben.
In den Sommerferien gibt es wieder Projekte und Workshops, die Kindern Raum geben, sich auszuprobieren und angenommen zu sein. Vielleicht beginnt Gerechtigkeit genau dort: wo ein Kind merkt, dass es gesehen wird; wo jemand zuhört; wo niemand am Rand stehen bleiben muss.
Amos’ Worte sind deshalb kein ferner Traum. Sie sind Auftrag und Ermutigung: Lasst uns mithelfen, dass Recht strömt wie Wasser und Gerechtigkeit fließt wie ein nie versiegender Bach – mitten unter uns.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Text: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Grafik: © GemeindebriefDruckerei
Liebe Mitgefangene,
Vor einiger Zeit sang ich bei einem Gottesdienst in einer JVA im Chor. Schon eine Stunde vorher mussten wir uns vor der JVA treffen. Unsere Pässe wurden kontrolliert, ein Mitarbeiter begleitete uns in die Kapelle. Beklemmend war, dass jede Tür vor uns erst aufgeschlossen wurde, wenn die hinter uns wieder verschlossen war. Ich fühlte mich eingesperrt.
Der Gottesdienst war ungewöhnlich gut besucht, viel voller als in unseren Gemeindegottesdiensten. „Die Gefangenen freuen sich, Zeit außerhalb ihrer Zellen zu verbringen und andere Menschen zu treffen“, sagte die Pfarrerin. Ein Gefangener ließ sich taufen. Er hatte Tränen in den Augen, und auch wir waren tief bewegt. Nach dem Gottesdienst durften wir unter Aufsicht mit den Gefangenen sprechen und erfuhren etwas über ihre Lebensumstände. Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich mich wirklich in sie hineinversetzen kann oder möchte. Zu beklemmend ist der Gedanke, nach dem Gottesdienst wieder in eine Zelle eingeschlossen zu werden.
Nach dem Gottesdienst standen wir mit gemischten Gefühlen vor der Tür. Wir waren dankbar für den Einblick in den Gefängnisalltag. Zugleich waren wir erleichtert, auf dieser Seite der Gitter zu stehen und nicht auf der der Gefangenen.
„Check – ein weiteres Werk der Barmherzigkeit: Gefangene besuchen – abgehakt“, dachte ich und schämte mich sofort dafür. Ich glaube, das meint der Monatsspruch: Gefängnisse trennen die „Bösen“ von den „Guten“, und wir sind froh, zu den Guten zu gehören. Bestenfalls besuchen wir die anderen – als Akt der Barmherzigkeit.
Doch auch Gefangene sind Menschen wie du und ich. Eine Gefängnisstrafe nimmt ihnen nicht die von Gott verliehene Würde. Sicher gibt es Gründe für ihre Haft. Deshalb können wir Gottesdienste in Freiheit feiern und danach nach Hause gehen. Vielleicht hatten wir aber auch einfach mehr Glück, dass unser Leben anders verlaufen ist als ihres.
Denken wir an die Gefangenen als Menschen, wie du und ich.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch Mai 2026
"Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.“ (Hebr 6,19)
Liebe Hoffnungsvolle,
Mit dem Bild des Ankers können wir alle etwas anfangen. Auf dem Wasser kann man nicht einfach „anhalten“ wie mit dem Auto. Besonders im Sturm brauchen wir etwas, das uns festhält, fest verankert. Die gute Nachricht ist: Der Anker hält, wenn er greift. Der Anker ist das Symbol von Sicherheit und Halt und im übertragenen Sinn Halt im Sturm des Lebens, in schwierigen Zeiten, verunsichernden Krisen und Angst machender Zukunft.
Hebräer 6,19 beschreibt die christliche Hoffnung als „sicheren und festen Anker der Seele“, der Verankerung im Glauben. Die Hoffnung hält fest – ganz anders als irdische Sicherheiten, die schwanken und zerbrechen können. Die Hoffnung auf Gottes Zusagen ist ein Anker, der nicht reißt. Er bewahrt uns vor Panik und Haltlosigkeit, gerade wenn das Leben schwierig wird.
Der Hebräerbrief bezieht sich auf das Allerheiligste im Tempel in Jerusalem, zu dem nur der Hohepriester einmal im Jahr Zutritt hatte und damit die Verbindung zwischen Gott und dem Volk Israel herstellte. Unser Anker ist nicht in der Welt verankert, sondern „hinter dem Vorhang“, wo Jesus als unser Hohepriester eine dauerhafte Verbindung zu Gott herstellt. Das bedeutet, wir sind durch Jesus bei Gott fest verankert, mit einer Hoffnung, die nicht enttäuscht.
Es gibt verschiedene christliche Hoffnungen: die Hoffnung, die auf das Jenseits gerichtet ist. Ich hoffe, auf ein Leben nach dem Tod an der Seite von Jesus, in dem es keine Tränen und kein Leid gibt. Und es gibt die Hoffnung, die auf das Diesseits gerichtet ist: Ich hoffe, dass ich, von Gott getragen, ein gutes Leben in Frieden und Gerechtigkeit führen kann.
Wer Hoffnung so versteht, bleibt aber nicht bei einer passiven Haltung, dem Warten auf ein besseres Leben oder auf das Leben nach dem Tod stehen. Der Theologe Jürgen Moltmann hat das so gesehen: Wer von der Hoffnung auf die Zukunft Gottes lebt, dessen Leben und Glauben führt schon hier und jetzt zu einer aktiven Mitgestaltung der Welt.
Diese Hoffnung können wir immer wieder spüren, z.B. bei dem Tauffest am 14. Mai im Naturbad, bei dem wie jedes Jahr wieder am Himmelfahrtstag mehrere Kinder die Zusage der Liebe und des Segens Gottes durch die Taufe erhalten.
Egal wie groß die Wellen sind und wie stark der Sturm auch bläst – unser Anker in Gott hält. In ihm finden wir Orientierung, Geborgenheit und Hoffnung, die uns nicht enttäuscht.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch April 2026
Jesus spricht zu Thomas: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29)
Liebe Zweifelnde,
„Ich glaube nur das, was ich sehe.“
Manchmal fällt es uns schwer, einfach zu glauben, was andere erzählen und wir nicht selbst gesehen haben.
So wie der „ungläubige“ Thomas, der erst überzeugt war, dass Jesus lebt, obwohl er gekreuzigt wurde, als er Jesus selbst sehen und anfassen durfte. Thomas kommt zum Glauben, weil er Jesus erfahren hat. Nur Hörensagen und begeisterte Berichte reichen ihm nicht. Thomas ist der Skeptiker und der Zweifler unter den Jünger*innen. Das macht ihn sympathisch. Wir brauchen heute solche Menschen wie Thomas. Blind glauben wäre auch nicht im Sinne von Jesus. Zweifel sind wichtig und gehören zum Leben dazu.
Konfirmation ist die Sollbruchstelle Nummer ein in der religiösen Sozialisation und Kirchenverbundenheit Jugendlicher. Gerade in der Konfirmationszeit denken viele Jugendliche darüber nach, was sie glauben können und was sie vielleicht anzweifeln. Wichtig ist zu verstehen, dass Zweifel kein Fehler sind, sondern uns helfen, unseren Glauben und unsere Werte zu hinterfragen und zu stärken. Das Wesentliche im Leben erkennt man nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen.
In ihrer Konfirmandenzeit und beim Vorstellungsgottesdienst im März haben sich unsere Konfirmand*innen damit beschäftigt, woran sie glauben. Sie haben sich auch mit ihren Zweifeln beschäftigt und auch wenn sie bisher noch keine Zweifel hatten oder gewagt haben sie zuzulassen oder zu äußern, wird das Leben sicher auch Phasen des Zweifelns für sie bereithalten.
Hoffen wir, dass sie diese überwinden, auch wenn sie glauben müssen, ohne alles zu sehen.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Grafik (c) Gemeindebriefdruckerei
Monatsspruch März 2026
Liebe Menschen,
am 7. Mai 2025, im Alter von 103 Jahren, hält Margot Friedländer ihren letzten öffentlichen Auftritt im Roten Rathaus in Berlin. Sie spricht zum 80. Jahrestag des Kriegsendes. Ihre Stimme ist leise, doch ihre Worte bleiben kraftvoll. Nach Erinnerungen an ihre Befreiung aus Theresienstadt richtet sie sich direkt an die Anwesenden:
„Bitte seid Menschen. Das, was ich euch bitte zu tun: Seid Menschen! Danke.“
Mit diesen Worten beendet sie ihre Rede. In den Gesichtern der Zuhörenden spiegeln sich tiefe Emotionen, viele kämpfen mit den Tränen.
Zwei Tage später, beim Deutschen Filmpreis 2025, soll Igor Levitt zur Preiskategorie „Filmmusik“ sprechen. Doch wenige Minuten bevor er die Bühne betritt, hat er die Nachricht erhalten, dass Margot Friedländer gestorben ist. Spontan ändert Igor Levitt seine Rede, übermittelt die traurige Nachricht und würdigt das Leben von Margot Friedländer. Die geladenen Personen aus dem Filmgeschäft im Saal sind erschüttert. Viele weinen.
Heute, fast ein Jahr später, sehe ich diese Rede an meinem Laptop zuhause. Ich spüre die Erschütterung und Trauer der Menschen, als wäre ich dabei gewesen.
"Seid Menschen!" Ich bin überzeugt, dass wir dann wirklich Menschlichkeit zeigen, wenn wir mitfühlen, mitlachen und mitweinen.
Wie Jesus, als er erfährt, dass sein Freund Lazarus gestorben ist: „Da weinte Jesus.“
In diesem Moment ist Jesus ganz Mensch und teilt den Schmerz mit den Schwestern Maria und Martha. Seine Tränen sind Zeichen echten Mitgefühls – kein Ausdruck von Schwäche, sondern von Verbundenheit und Liebe. Mensch zu sein heißt, Anteil zu nehmen, wie Jesus es tat.
Seid Menschen!
(gekürzter Text aus BibelAndenken 2026, aej, S. 59 ff.)
Monatsspruch Februar 2026
"Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)
Liebe Optimist*innen,
Ist das Glas halb voll oder halb leer? Optimismus macht das Leben leichter: Wer erwartet, dass etwas gelingt, hat tatsächlich bessere Chancen – das zeigen auch Studien. Pessimismus dagegen bremst uns aus.
Natürlich kann niemand auf Kommando fröhlich sein. Positives Denken entsteht aus einer inneren Haltung heraus und lässt sich nicht einfach anordnen. Aber wenn wir uns an schöne Erlebnisse oder erfolgreich bewältigte Herausforderungen erinnern, schenken uns diese Erinnerungen Kraft und Zuversicht für die Zukunft. Gerade in schwierigen Zeiten können uns solche Momente neuen Mut geben.
Das will der Monatsspruch für den Monat Februar uns sagen: nicht bange in die Zukunft schauen, sondern zurückblicken auf das, was Gott uns Gutes geschenkt hat und daraus Kraft schöpfen für das, was vor uns liegt.
Gottes Nähe zeigt sich oft erst in der Rückschau und gibt uns Zuversicht für die Zukunft. Wenn wir zurückblicken, erkennen wir: unser scheinbares Umherirren ist in Wirklichkeit ein Weg - unser Weg. Unser Lebensweg ist einzigartig, so wie wir einzigartig sind, und Gott geht diesen Weg mit uns. Darauf können wir vertrauen – und zuversichtlich bleiben.
Seid fröhlich und bleibt optimistisch! Das sollte uns doch wohl gerade im Karnevalsmonat Februar gelingen.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch Januar 2026
"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6,5)
Liebe Liebende,
die Welt wird kälter, nicht nur jahreszeitenbedingt, sondern auch spürbar im zwischenmenschlichen Umgang. Empathie fehlt, Konflikte nehmen zu, und gemeinsame Werte scheinen zu schwinden. Gerade jetzt sind Liebe und Gemeinschaft wichtiger denn je - Liebe, die sich auf Menschen richtet und nicht auf Ideologien oder Besitz.
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Der Monatsspruch steht im 5. Buch Mose, in dem Mose das Volk Israel an alles erinnert, was Gott für sie getan hat und was er ihnen versprochen hat auf ihrer langen Reise durch die Wüste. Gleichzeitig ermahnt Mose sie, Gott unbedingt treu zu bleiben und ihn zu ehren. Der Anspruch ist absolut: Nichts soll wichtiger sein als die Liebe zu Gott, sie soll das ganze Denken, Fühlen und Handeln durchdringen.
Doch haben diese mehrere tausend Jahre alten Worte immer noch Bedeutung für uns heute? Wie kann unsere Welt wärmer werden, indem wir Gott lieben? Jesus selbst hat auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot genau das zitiert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Im Doppelgebot der Liebe verbindet Jesus dieses Gebot mit der Liebe zum Nächsten: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 38-39)
Für mich heißt das: Wer Gott liebt, zeigt das auch im Umgang mit anderen. Gerade heute bleibt das Doppelgebot der Liebe ein Kompass für ein erfülltes und verantwortungsvolles Leben. Und das Beste: Gott liebt mich zuerst – unabhängig davon, wie erfolgreich ich in meinem Bemühen bin. Das schenkt Kraft und Zuversicht, immer wieder Liebe zu wagen, auf meine Mitmenschen zuzugehen, und mein Leben in Beziehung zu Gott und anderen zu gestalten.
Ein schöner Vorsatz für das neue Jahr, um die Welt ein wenig wärmer zu machen. In diesem Sinne: Einen guten Start in das Jahr 2026!
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch Dezember 2025
Gott spricht: "Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln." (Maleachi 3, 20)
Liebe Gottesfürchtige,
Fürchte ich Gott? Ist Furcht überhaupt die Beziehung, die Gott mit uns Menschen will? Was bedeutet es, Gott zu fürchten oder wie es in der Lutherbibel steht „seinen Namen zu fürchten“?
Die Gute Nachricht Bibel übersetzt: „Für euch aber, die ihr mir treu gewesen seid, wird die Sonne aufgehen.“ Damit kann ich schon eher etwas anfangen: „Gott fürchten“ bedeutet für mich, Gott mit Ehrfurcht, Respekt und Vertrauen zu begegnen. Es ist kein ängstliches Fürchten, sondern das Bewusstsein, dass Gott größer ist als ich und mein Leben in seinen Händen liegt. Gott fürchten heißt, mein Handeln nach seinen Geboten auszurichten und darauf zu vertrauen, dass Gottes Wege zu Gerechtigkeit und Heil führen.
Verständlicher wird es für mich, wenn ich mir das Gegenteil vorstelle: Im Gegensatz zu Gottesfürchtigkeit steht die Gottlosigkeit. Darunter verstehe ich die Abkehr von christlichen Werten wie Nächstenliebe und das Ignorieren göttlicher Maßstäbe. Im Umkehrschluss heißt der Vers von Maleachi dann:
„Eine gottlose Welt versinkt in Dunkel und Unheil.“
Das kann ich mir nicht nur vorstellen, sondern täglich beobachten - in einer Welt der Putins und Trumps, extremistischer, demokratiefeindlicher und menschenverachtender Strömungen und Äußerungen, Krieg und Gewalt.
Was bedeutet aber für mich konkret, mein Handeln nach Gottes Geboten auszurichten und auf Gottes Wege zu vertrauen? Im Umgang mit mir selbst und anderen empfinde ich es als hilfreich, mich immer wieder an Jesu Beispiel der Nächstenliebe zu erinnern. Das bedeutet, mich selbst und meinen Nächsten mit Respekt, Geduld und Vergebung zu begegnen. Dabei darf ich mir auch selbst Fehler zugestehen und mit Nachsicht auf die eigenen Grenzen blicken – ebenso wie auf die der anderen. Offenheit für die Bedürfnisse meiner Mitmenschen und die Bereitschaft, Konflikte wertschätzend zu lösen, tragen dazu bei, Vertrauen und Gerechtigkeit im Zusammenleben zu stärken.
Die Verheißung aus Maleachi macht Mut: Wer Gott vertraut, darf erleben, dass letztlich Gerechtigkeit und Heilung aufgehen wie eine Sonne – und dass am Ende alles gut wird. Gerade in dieser Zeit, in der wir uns auf die Geburt Jesu vorbereiten und diese dann Weihnachten feiern, können wir diese Sonne spüren.
Ich wünsche Ihnen eine friedvolle und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch November 2025
Gott spricht: "Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“ (Ez 34,16)
Liebe Verlorene,
Verloren sein, wer kennt dieses Gefühl nicht? Verloren in der heutigen Zeit der Krisen, der Kriege weltweit und ihrer gesellschaftlichen und sozialen Folgen auch bei uns? Auch als Christ*innen kennen wir das Gefühl des „Verlorenseins“, zwischen Glaubenszweifeln, ethischen Fragen und Kirchen, die sich mit sich selber beschäftigen.
Verloren sein, sich abgehängt fühlen, orientierungslos, ziel- und planlos unterwegs sein in einer komplexen Welt – „lost“ heißt das auf neudeutsch. Das Wort „lost“ wurde 2020 zum Jugendwort des Jahres gewählt, in der Coronazeit, in der sich viele Jugendliche „lost“ fühlten. Mittlerweile wird das Wort von vielen Menschen verwendet. Was ist der Ausweg aus einer solchen Situation, dem Lebensgefühl, verloren zu sein?
Verloren und verirrt - das sind Worte der Bibel, die im Zusammenhang mit dem „Guten Hirten“ oft verwendet werden. Auch im Kontext des Monatsspruchs aus dem Buch des Propheten Ezechiel geht es um Hirten: um die schlechten Hirten, die Verantwortung dafür tragen, dass das Volk Israel nach der Zerstörung Jerusalems in der Verbannung lebt, verloren, verirrt, verwundet und schwach.
Aber Ezechiel bleibt bei dieser Schuldzuweisung nicht stehen, sondern setzt Gottes Zusage dagegen:
„Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“
Wenn die weltlichen „Hirten“ versagen – und davon können wir heute auch ein Lied singen - Gott verspricht, sich der Verlorenen anzunehmen. Aber wie macht er das? Sicher können wir, wenn wir uns verloren fühlen, Zuversicht, Orientierung und Stärke im Glauben und Gebet finden. Ich glaube aber, dass diese Zusage auch einen Auftrag an uns alle enthält. Gott befähigt und beauftragt uns Menschen, unseren Nächsten zu helfen, Orientierung und Hoffnung zu geben.
Das gilt insbesondere auch für unsere Kinder. Im November sind sie wieder unterwegs mit ihren Laternen, die Licht in den dunklen Monat bringen. Sie erinnern damit an St. Martin, der in seiner Zeit Menschen geholfen hat. Lassen wir uns von den Laternen ermutigen, selbst Licht in dunklen Zeiten - im Rahmen unserer Möglichkeiten - für andere, für unsere „Nächsten“ zu sein.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst
Monatsspruch Oktober 2025
„Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lukas 17,21)
Liebe Dankbare,
Im Monatsspruch aus dem Lukasevangelium antwortete Jesus auf die Frage der Pharisäer, wann das Reich Gottes kommt, dass es "mitten unter euch" sei. Die Menschen, zu denen Jesus sprach, lebten unter schwierigen Bedingungen. Das Land war von den Römern besetzt, die Menschen mussten sich den Regeln des Römischen Reichs unterwerfen. Widerstand wurde hart bestraft. Da lag die Hoffnung auf eine bessere Welt, auf das „Reich Gottes“, das die Bibel versprach nahe.
Was heißt das eigentlich: „Gottes Reich ist mitten unter uns“? Ist es schon da? Und falls ja, wo? Oder müssen wir darauf noch warten? Erleben wir das Reich Gottes, eine gerechte Welt, in der es allen gut geht, schon zu unseren Lebzeiten? Oder ist es eine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Um diese Fragen haben Gläubige über die Jahrhunderte immer wieder gestritten. Es gab auch immer wieder solche, die das Reich Gottes zu einem bestimmten Termin erwartet oder vorhergesagt haben. Sie wurden alle enttäuscht.
Auch heute leben wir in einer Welt multipler Krisen. Menschen leiden unter Krieg, Unterdrückung, Flucht, Hunger und menschengemachten Naturkatastrophen. Da sehnen wir uns nach einer gerechten Welt, in der alle Krisen überwunden sind.
„Jesus Christus spricht: Gottes Reich ist mitten unter euch.“ (Lukas 17,21)
Jesus will damit sagen, dass das Reich Gottes dort ist, wo Menschen ihm nachfolgen. Das Reich Gottes ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu erwarten, sondern ist mitten unter uns. Gleichzeitig ist das Reich Gottes aber noch nicht vollendet. Der Wunsch „Dein Reich komme“ im Vaterunser zeigt, dass die Vollendung von Gottes Reich in der Zukunft erwartet wird.
In der Bibel lesen wir, dass Jesus von der nahen Gottesherrschaft spricht, die bereits in seinem eigenen Handeln gegenwärtig ist. Die Zukunft und die Gegenwart verschmelzen in dieser Vorstellung. Für uns Menschen ist das schwer zu verstehen. Ich stelle mir das Reich Gottes wie eine Parallelwelt vor: Diese gerechte Welt existiert bereits jetzt, parallel zu unserer unvollkommenen Welt. Und manchmal bekommen wir einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes, auf eine gerechte Welt, auf die Gemeinschaft mit Gott.
Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Wir leben in Deutschland im Überfluss. In diesem Jahr gibt es wieder eine außergewöhnlich gute Apfel- und Kartoffelernte. Grund, dankbar zu sein. Gerade am Erntedankfest wird uns besonders bewusst, wie viel Gutes uns geschenkt wird. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit unseren Nachbar-Kirchengemeinden auf dem Hof Bracht Erntedank gefeiert (s. Foto), in diesem Jahr feiern wir zusammen mit der Gemeinde Lüdinghausen auf dem Gestüt Förster in Ermen.
Wenn wir die Fülle an Gaben sehen, für die wir danken dürfen, erleben wir etwas von Gottes Reich, das mitten unter uns ist. Dankbarkeit öffnet unsere Augen für das, was schon jetzt an Gemeinschaft, Fülle und Hoffnung in unserer Mitte wächst. Aber Gottes Reich bedeutet auch, sich aktiv für eine gerechte Welt einzusetzen, zu teilen mit den Menschen, denen es nicht so gut geht und die unsere Hilfe brauchen. Dann erleben wir Gottes Reich – mitten unter uns.
Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst