Monatsimpulse

Die biblischen Monatssprüche werden von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) jeden Monat aus dem ökumenischen Bibelleseplan für uns ausgewählt. Der Monatsspruch kann uns als Leitvers für den aktuellen Monat dienen.

Text: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Grafik: © GemeindebriefDruckerei

Text: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Grafik: © GemeindebriefDruckerei

 

Liebe Mitgefangene,

Vor einiger Zeit sang ich bei einem Gottesdienst in einer JVA im Chor. Schon eine Stunde vorher mussten wir uns vor der JVA treffen. Unsere Pässe wurden kontrolliert, ein Mitarbeiter begleitete uns in die Kapelle. Beklemmend war, dass jede Tür vor uns erst aufgeschlossen wurde, wenn die hinter uns wieder verschlossen war. Ich fühlte mich eingesperrt.

Der Gottesdienst war ungewöhnlich gut besucht, viel voller als in unseren Gemeindegottesdiensten. „Die Gefangenen freuen sich, Zeit außerhalb ihrer Zellen zu verbringen und andere Menschen zu treffen“, sagte die Pfarrerin. Ein Gefangener ließ sich taufen. Er hatte Tränen in den Augen, und auch wir waren tief bewegt. Nach dem Gottesdienst durften wir unter Aufsicht mit den Gefangenen sprechen und erfuhren etwas über ihre Lebensumstände. Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich mich wirklich in sie hineinversetzen kann oder möchte. Zu beklemmend ist der Gedanke, nach dem Gottesdienst wieder in eine Zelle eingeschlossen zu werden.

Nach dem Gottesdienst standen wir mit gemischten Gefühlen vor der Tür. Wir waren dankbar für den Einblick in den Gefängnisalltag. Zugleich waren wir erleichtert, auf dieser Seite der Gitter zu stehen und nicht auf der der Gefangenen.

„Check – ein weiteres Werk der Barmherzigkeit: Gefangene besuchen – abgehakt“, dachte ich und schämte mich sofort dafür. Ich glaube, das meint der Monatsspruch: Gefängnisse trennen die „Bösen“ von den „Guten“, und wir sind froh, zu den Guten zu gehören. Bestenfalls besuchen wir die anderen – als Akt der Barmherzigkeit.

Doch auch Gefangene sind Menschen wie du und ich. Eine Gefängnisstrafe nimmt ihnen nicht die von Gott verliehene Würde. Sicher gibt es Gründe für ihre Haft. Deshalb können wir Gottesdienste in Freiheit feiern und danach nach Hause gehen. Vielleicht hatten wir aber auch einfach mehr Glück, dass unser Leben anders verlaufen ist als ihres.

Denken wir an die Gefangenen als Menschen, wie du und ich.

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Monatsspruch 04/26

Monatsspruch Mai 2026

"Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.“ (Hebr 6,19)

Liebe Hoffnungsvolle,

Mit dem Bild des Ankers können wir alle etwas anfangen. Auf dem Wasser kann man nicht einfach „anhalten“ wie mit dem Auto. Besonders im Sturm brauchen wir etwas, das uns festhält, fest verankert. Die gute Nachricht ist: Der Anker hält, wenn er greift. Der Anker ist das Symbol von Sicherheit und Halt und im übertragenen Sinn Halt im Sturm des Lebens, in schwierigen Zeiten, verunsichernden Krisen und Angst machender Zukunft.

Hebräer 6,19 beschreibt die christliche Hoffnung als „sicheren und festen Anker der Seele“, der Verankerung im Glauben. Die Hoffnung hält fest – ganz anders als irdische Sicherheiten, die schwanken und zerbrechen können. Die Hoffnung auf Gottes Zusagen ist ein Anker, der nicht reißt. Er bewahrt uns vor Panik und Haltlosigkeit, gerade wenn das Leben schwierig wird.

Der Hebräerbrief bezieht sich auf das Allerheiligste im Tempel in Jerusalem, zu dem nur der Hohepriester einmal im Jahr Zutritt hatte und damit die Verbindung zwischen Gott und dem Volk Israel herstellte. Unser Anker ist nicht in der Welt verankert, sondern „hinter dem Vorhang“, wo Jesus als unser Hohepriester eine dauerhafte Verbindung zu Gott herstellt. Das bedeutet, wir sind durch Jesus bei Gott fest verankert, mit einer Hoffnung, die nicht enttäuscht.

Es gibt verschiedene christliche Hoffnungen: die Hoffnung, die auf das Jenseits gerichtet ist. Ich hoffe, auf ein Leben nach dem Tod an der Seite von Jesus, in dem es keine Tränen und kein Leid gibt. Und es gibt die Hoffnung, die auf das Diesseits gerichtet ist: Ich hoffe, dass ich, von Gott getragen, ein gutes Leben in Frieden und Gerechtigkeit führen kann.

Wer Hoffnung so versteht, bleibt aber nicht bei einer passiven Haltung, dem Warten auf ein besseres Leben oder auf das Leben nach dem Tod stehen. Der Theologe Jürgen Moltmann hat das so gesehen: Wer von der Hoffnung auf die Zukunft Gottes lebt, dessen Leben und Glauben führt schon hier und jetzt zu einer aktiven Mitgestaltung der Welt.

Diese Hoffnung können wir immer wieder spüren, z.B. bei dem Tauffest am 14. Mai im Naturbad, bei dem wie jedes Jahr wieder am Himmelfahrtstag mehrere Kinder die Zusage der Liebe und des Segens Gottes durch die Taufe erhalten.

Egal wie groß die Wellen sind und wie stark der Sturm auch bläst – unser Anker in Gott hält. In ihm finden wir Orientierung, Geborgenheit und Hoffnung, die uns nicht enttäuscht.

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Monatsspruch 04/26

Monatsspruch April 2026

Jesus spricht zu Thomas: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29)

Liebe Zweifelnde,

„Ich glaube nur das, was ich sehe.“

Manchmal fällt es uns schwer, einfach zu glauben, was andere erzählen und wir nicht selbst gesehen haben.

So wie der „ungläubige“ Thomas, der erst überzeugt war, dass Jesus lebt, obwohl er gekreuzigt wurde, als er Jesus selbst sehen und anfassen durfte. Thomas kommt zum Glauben, weil er Jesus erfahren hat. Nur Hörensagen und begeisterte Berichte reichen ihm nicht. Thomas ist der Skeptiker und der Zweifler unter den Jünger*innen. Das macht ihn sympathisch. Wir brauchen heute solche Menschen wie Thomas. Blind glauben wäre auch nicht im Sinne von Jesus. Zweifel sind wichtig und gehören zum Leben dazu.

Konfirmation ist die Sollbruchstelle Nummer ein in der religiösen Sozialisation und Kirchenverbundenheit Jugendlicher. Gerade in der Konfirmationszeit denken viele Jugendliche darüber nach, was sie glauben können und was sie vielleicht anzweifeln. Wichtig ist zu verstehen, dass Zweifel kein Fehler sind, sondern uns helfen, unseren Glauben und unsere Werte zu hinterfragen und zu stärken. Das Wesentliche im Leben erkennt man nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen.

In ihrer Konfirmandenzeit und beim Vorstellungsgottesdienst im März haben sich unsere Konfirmand*innen damit beschäftigt, woran sie glauben. Sie haben sich auch mit ihren Zweifeln beschäftigt und auch wenn sie bisher noch keine Zweifel hatten oder gewagt haben sie zuzulassen oder zu äußern, wird das Leben sicher auch Phasen des Zweifelns für sie bereithalten.

Hoffen wir, dass sie diese überwinden, auch wenn sie glauben müssen, ohne alles zu sehen.

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Monatsspruch 03/26

Grafik (c) Gemeindebriefdruckerei

 

Monatsspruch März 2026

 

Liebe Menschen,

am 7. Mai 2025, im Alter von 103 Jahren, hält Margot Friedländer ihren letzten öffentlichen Auftritt im Roten Rathaus in Berlin. Sie spricht zum 80. Jahrestag des Kriegsendes. Ihre Stimme ist leise, doch ihre Worte bleiben kraftvoll. Nach Erinnerungen an ihre Befreiung aus Theresienstadt richtet sie sich direkt an die Anwesenden:

„Bitte seid Menschen. Das, was ich euch bitte zu tun: Seid Menschen! Danke.“

Mit diesen Worten beendet sie ihre Rede. In den Gesichtern der Zuhörenden spiegeln sich tiefe Emotionen, viele kämpfen mit den Tränen.

Zwei Tage später, beim Deutschen Filmpreis 2025, soll Igor Levitt zur Preiskategorie „Filmmusik“ sprechen. Doch wenige Minuten bevor er die Bühne betritt, hat er die Nachricht erhalten, dass Margot Friedländer gestorben ist. Spontan ändert Igor Levitt seine Rede, übermittelt die traurige Nachricht und würdigt das Leben von Margot Friedländer. Die geladenen Personen aus dem Filmgeschäft im Saal sind erschüttert. Viele weinen.

Heute, fast ein Jahr später, sehe ich diese Rede an meinem Laptop zuhause. Ich spüre die Erschütterung und Trauer der Menschen, als wäre ich dabei gewesen.

"Seid Menschen!" Ich bin überzeugt, dass wir dann wirklich Menschlichkeit zeigen, wenn wir mitfühlen, mitlachen und mitweinen.

Wie Jesus, als er erfährt, dass sein Freund Lazarus gestorben ist: „Da weinte Jesus.“

In diesem Moment ist Jesus ganz Mensch und teilt den Schmerz mit den Schwestern Maria und Martha. Seine Tränen sind Zeichen echten Mitgefühls – kein Ausdruck von Schwäche, sondern von Verbundenheit und Liebe. Mensch zu sein heißt, Anteil zu nehmen, wie Jesus es tat.

Seid Menschen!

 

(gekürzter Text aus BibelAndenken 2026, aej, S. 59 ff.)

Weihnachtsstern über der Christuskirche

Monatsspruch Februar 2026

"Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)

 

Liebe Optimist*innen,

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Optimismus macht das Leben leichter: Wer erwartet, dass etwas gelingt, hat tatsächlich bessere Chancen – das zeigen auch Studien. Pessimismus dagegen bremst uns aus.

Natürlich kann niemand auf Kommando fröhlich sein. Positives Denken entsteht aus einer inneren Haltung heraus und lässt sich nicht einfach anordnen. Aber wenn wir uns an schöne Erlebnisse oder erfolgreich bewältigte Herausforderungen erinnern, schenken uns diese Erinnerungen Kraft und Zuversicht für die Zukunft. Gerade in schwierigen Zeiten können uns solche Momente neuen Mut geben.

Das will der Monatsspruch für den Monat Februar uns sagen: nicht bange in die Zukunft schauen, sondern zurückblicken auf das, was Gott uns Gutes geschenkt hat und daraus Kraft schöpfen für das, was vor uns liegt.

Gottes Nähe zeigt sich oft erst in der Rückschau und gibt uns Zuversicht für die Zukunft. Wenn wir zurückblicken, erkennen wir: unser scheinbares Umherirren ist in Wirklichkeit ein Weg - unser Weg. Unser Lebensweg ist einzigartig, so wie wir einzigartig sind, und Gott geht diesen Weg mit uns. Darauf können wir vertrauen – und zuversichtlich bleiben.

Seid fröhlich und bleibt optimistisch! Das sollte uns doch wohl gerade im Karnevalsmonat Februar gelingen.

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Weihnachtsstern über der Christuskirche

Monatsspruch Januar 2026

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6,5)

 

Liebe Liebende,

die Welt wird kälter, nicht nur jahreszeitenbedingt, sondern auch spürbar im zwischenmenschlichen Umgang. Empathie fehlt, Konflikte nehmen zu, und gemeinsame Werte scheinen zu schwinden. Gerade jetzt sind Liebe und Gemeinschaft wichtiger denn je - Liebe, die sich auf Menschen richtet und nicht auf Ideologien oder Besitz.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Der Monatsspruch steht im 5. Buch Mose, in dem Mose das Volk Israel an alles erinnert, was Gott für sie getan hat und was er ihnen versprochen hat auf ihrer langen Reise durch die Wüste. Gleichzeitig ermahnt Mose sie, Gott unbedingt treu zu bleiben und ihn zu ehren. Der Anspruch ist absolut: Nichts soll wichtiger sein als die Liebe zu Gott, sie soll das ganze Denken, Fühlen und Handeln durchdringen.

Doch haben diese mehrere tausend Jahre alten Worte immer noch Bedeutung für uns heute? Wie kann unsere Welt wärmer werden, indem wir Gott lieben? Jesus selbst hat auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot genau das zitiert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Im Doppelgebot der Liebe verbindet Jesus dieses Gebot mit der Liebe zum Nächsten: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 38-39)

Für mich heißt das: Wer Gott liebt, zeigt das auch im Umgang mit anderen. Gerade heute bleibt das Doppelgebot der Liebe ein Kompass für ein erfülltes und verantwortungsvolles Leben. Und das Beste: Gott liebt mich zuerst – unabhängig davon, wie erfolgreich ich in meinem Bemühen bin. Das schenkt Kraft und Zuversicht, immer wieder Liebe zu wagen, auf meine Mitmenschen zuzugehen, und mein Leben in Beziehung zu Gott und anderen zu gestalten.

Ein schöner Vorsatz für das neue Jahr, um die Welt ein wenig wärmer zu machen. In diesem Sinne: Einen guten Start in das Jahr 2026!

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Weihnachtsstern über der Christuskirche

Monatsspruch Dezember 2025

Gott spricht: "Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln." (Maleachi 3, 20)

 

Liebe Gottesfürchtige,

Fürchte ich Gott? Ist Furcht überhaupt die Beziehung, die Gott mit uns Menschen will? Was bedeutet es, Gott zu fürchten oder wie es in der Lutherbibel steht „seinen Namen zu fürchten“?

Die Gute Nachricht Bibel übersetzt: „Für euch aber, die ihr mir treu gewesen seid, wird die Sonne aufgehen.“ Damit kann ich schon eher etwas anfangen: „Gott fürchten“ bedeutet für mich, Gott mit Ehrfurcht, Respekt und Vertrauen zu begegnen. Es ist kein ängstliches Fürchten, sondern das Bewusstsein, dass Gott größer ist als ich und mein Leben in seinen Händen liegt. Gott fürchten heißt, mein Handeln nach seinen Geboten auszurichten und darauf zu vertrauen, dass Gottes Wege zu Gerechtigkeit und Heil führen.

Verständlicher wird es für mich, wenn ich mir das Gegenteil vorstelle: Im Gegensatz zu Gottesfürchtigkeit steht die Gottlosigkeit. Darunter verstehe ich die Abkehr von christlichen Werten wie Nächstenliebe und das Ignorieren göttlicher Maßstäbe. Im Umkehrschluss heißt der Vers von Maleachi dann:

„Eine gottlose Welt versinkt in Dunkel und Unheil.“

Das kann ich mir nicht nur vorstellen, sondern täglich beobachten - in einer Welt der Putins und Trumps, extremistischer, demokratiefeindlicher und menschenverachtender Strömungen und Äußerungen, Krieg und Gewalt.

Was bedeutet aber für mich konkret, mein Handeln nach Gottes Geboten auszurichten und auf Gottes Wege zu vertrauen? Im Umgang mit mir selbst und anderen empfinde ich es als hilfreich, mich immer wieder an Jesu Beispiel der Nächstenliebe zu erinnern. Das bedeutet, mich selbst und meinen Nächsten mit Respekt, Geduld und Vergebung zu begegnen. Dabei darf ich mir auch selbst Fehler zugestehen und mit Nachsicht auf die eigenen Grenzen blicken – ebenso wie auf die der anderen. Offenheit für die Bedürfnisse meiner Mitmenschen und die Bereitschaft, Konflikte wertschätzend zu lösen, tragen dazu bei, Vertrauen und Gerechtigkeit im Zusammenleben zu stärken.

Die Verheißung aus Maleachi macht Mut: Wer Gott vertraut, darf erleben, dass letztlich Gerechtigkeit und Heilung aufgehen wie eine Sonne – und dass am Ende alles gut wird. Gerade in dieser Zeit, in der wir uns auf die Geburt Jesu vorbereiten und diese dann Weihnachten feiern, können wir diese Sonne spüren.

Ich wünsche Ihnen eine friedvolle und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

St. Martin

Monatsspruch November 2025

Gott spricht: "Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“ (Ez 34,16)

 

Liebe Verlorene,

Verloren sein, wer kennt dieses Gefühl nicht? Verloren in der heutigen Zeit der Krisen, der Kriege weltweit und ihrer gesellschaftlichen und sozialen Folgen auch bei uns? Auch als Christ*innen kennen wir das Gefühl des „Verlorenseins“, zwischen Glaubenszweifeln, ethischen Fragen und Kirchen, die sich mit sich selber beschäftigen.

Verloren sein, sich abgehängt fühlen, orientierungslos, ziel- und planlos unterwegs sein in einer komplexen Welt – „lost“ heißt das auf neudeutsch. Das Wort „lost“ wurde 2020 zum Jugendwort des Jahres gewählt, in der Coronazeit, in der sich viele Jugendliche „lost“ fühlten. Mittlerweile wird das Wort von vielen Menschen verwendet. Was ist der Ausweg aus einer solchen Situation, dem Lebensgefühl, verloren zu sein?

Verloren und verirrt - das sind Worte der Bibel, die im Zusammenhang mit dem „Guten Hirten“ oft verwendet werden. Auch im Kontext des Monatsspruchs aus dem Buch des Propheten Ezechiel geht es um Hirten: um die schlechten Hirten, die Verantwortung dafür tragen, dass das Volk Israel nach der Zerstörung Jerusalems in der Verbannung lebt, verloren, verirrt, verwundet und schwach.

Aber Ezechiel bleibt bei dieser Schuldzuweisung nicht stehen, sondern setzt Gottes Zusage dagegen:

„Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.“

Wenn die weltlichen „Hirten“ versagen – und davon können wir heute auch ein Lied singen - Gott verspricht, sich der Verlorenen anzunehmen. Aber wie macht er das? Sicher können wir, wenn wir uns verloren fühlen, Zuversicht, Orientierung und Stärke im Glauben und Gebet finden. Ich glaube aber, dass diese Zusage auch einen Auftrag an uns alle enthält. Gott befähigt und beauftragt uns Menschen, unseren Nächsten zu helfen, Orientierung und Hoffnung zu geben.

Das gilt insbesondere auch für unsere Kinder. Im November sind sie wieder unterwegs mit ihren Laternen, die Licht in den dunklen Monat bringen. Sie erinnern damit an St. Martin, der in seiner Zeit Menschen geholfen hat. Lassen wir uns von den Laternen ermutigen, selbst Licht in dunklen Zeiten - im Rahmen unserer Möglichkeiten - für andere, für unsere „Nächsten“ zu sein.

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Erntedankaltar

Monatsspruch Oktober 2025

„Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lukas 17,21)

 

Liebe Dankbare,

Im Monatsspruch aus dem Lukasevangelium antwortete Jesus auf die Frage der Pharisäer, wann das Reich Gottes kommt, dass es "mitten unter euch" sei. Die Menschen, zu denen Jesus sprach, lebten unter schwierigen Bedingungen. Das Land war von den Römern besetzt, die Menschen mussten sich den Regeln des Römischen Reichs unterwerfen. Widerstand wurde hart bestraft. Da lag die Hoffnung auf eine bessere Welt, auf das „Reich Gottes“, das die Bibel versprach nahe.

Was heißt das eigentlich: „Gottes Reich ist mitten unter uns“? Ist es schon da? Und falls ja, wo? Oder müssen wir darauf noch warten? Erleben wir das Reich Gottes, eine gerechte Welt, in der es allen gut geht, schon zu unseren Lebzeiten? Oder ist es eine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Um diese Fragen haben Gläubige über die Jahrhunderte immer wieder gestritten. Es gab auch immer wieder solche, die das Reich Gottes zu einem bestimmten Termin erwartet oder vorhergesagt haben. Sie wurden alle enttäuscht.

Auch heute leben wir in einer Welt multipler Krisen. Menschen leiden unter Krieg, Unterdrückung, Flucht, Hunger und menschengemachten Naturkatastrophen. Da sehnen wir uns nach einer gerechten Welt, in der alle Krisen überwunden sind.

„Jesus Christus spricht: Gottes Reich ist mitten unter euch.“ (Lukas 17,21)

Jesus will damit sagen, dass das Reich Gottes dort ist, wo Menschen ihm nachfolgen. Das Reich Gottes ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu erwarten, sondern ist mitten unter uns. Gleichzeitig ist das Reich Gottes aber noch nicht vollendet. Der Wunsch „Dein Reich komme“ im Vaterunser zeigt, dass die Vollendung von Gottes Reich in der Zukunft erwartet wird.

In der Bibel lesen wir, dass Jesus von der nahen Gottesherrschaft spricht, die bereits in seinem eigenen Handeln gegenwärtig ist. Die Zukunft und die Gegenwart verschmelzen in dieser Vorstellung. Für uns Menschen ist das schwer zu verstehen. Ich stelle mir das Reich Gottes wie eine Parallelwelt vor: Diese gerechte Welt existiert bereits jetzt, parallel zu unserer unvollkommenen Welt. Und manchmal bekommen wir einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes, auf eine gerechte Welt, auf die Gemeinschaft mit Gott.

Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Wir leben in Deutschland im Überfluss. In diesem Jahr gibt es wieder eine außergewöhnlich gute Apfel- und Kartoffelernte. Grund, dankbar zu sein.  Gerade am Erntedankfest wird uns besonders bewusst, wie viel Gutes uns geschenkt wird. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit unseren Nachbar-Kirchengemeinden auf dem Hof Bracht Erntedank gefeiert (s. Foto), in diesem Jahr feiern wir zusammen mit der Gemeinde Lüdinghausen auf dem Gestüt Förster in Ermen.

Wenn wir die Fülle an Gaben sehen, für die wir danken dürfen, erleben wir etwas von Gottes Reich, das mitten unter uns ist. Dankbarkeit öffnet unsere Augen für das, was schon jetzt an Gemeinschaft, Fülle und Hoffnung in unserer Mitte wächst. Aber Gottes Reich bedeutet auch, sich aktiv für eine gerechte Welt einzusetzen, zu teilen mit den Menschen, denen es nicht so gut geht und die unsere Hilfe brauchen. Dann erleben wir Gottes Reich – mitten unter uns.

 

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Kinderrechte

Monatsspruch September 2025

„Gott ist unsere Zuversicht und Stärke.“ (Psalm 46,2)

 

Liebe Rechtschaffen(d)e,

Am 20. September ist Weltkindertag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Kinderrechte – Bausteine für Demokratie!“ steht. UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk unterstreichen damit, wie wichtig die Umsetzung der Kinderrechte für unser aller Zukunft und als Fundament der Demokratie ist. Kinder und Jugendliche, die ihre Rechte kennen und leben, verstehen besser, wie Demokratie funktioniert und wie sie sich aktiv einbringen können.

Als Christen ist es unser Selbstverständnis, dass wir den Schwächsten in unserer Gesellschaft beistehen. Das gilt insbesondere für die Kinder dieser Welt. Kinder sind Menschen mit eigenen Bedürfnissen und Interessen, die Beachtung und Schutz brauchen, die aber auch selbst in allen ihren Belangen mitgestalten dürfen.

Im Gaudium, dem offenen Kindertreff in unserer Gemeinde, haben sich Kinder mit den Kinderrechten und was es für sie bedeutet beschäftigt. Zu den Öffnungszeiten des Gaudiums können Kinder im Gaudium frei spielen und über Aktivitäten und Anschaffungen mitbestimmen. In der kreativen Auseinandersetzung mit der UN-Kinderrechtskonvention ist ein Bild mit allen Kinderrechten entstanden: Gaudium-Kinderrechte-Video.

Auch in unserer Gesellschaft werden vielen Kindern ihre Rechte vorenthalten. Ich wünsche allen Kindern, die in ihren Rechten beschränkt sind, und auch uns, deren Aufgabe es ist, Kindern ihre Rechte zu verschaffen, dass sie in Gott Zuversicht und Stärke finden, die Kinderrechte durchzusetzen.

 

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Frauenhilfstreffen

Monatsspruch August 2025

„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge.“ (Apostelgeschichte 26,22)

 

Liebe Zuversichtliche,

Der Monatsspruch für den Monat August aus Apostelgeschichte zitiert Paulus in einer Situation, in der seine Lebensumstände eigentlich gegen Gottes Beistand zu sprechen scheinen. Paulus ist gefangen und weiß nicht, wie es weitergeht. Nun steht er als Angeklagter vor König Agrippa und soll sich verteidigen – Angeklagter wegen Unruhestiftung, nicht Zeuge. Trotzdem redet er von seinem Glauben und bezeugt, von Gott niemals enttäuscht worden zu sein. Agrippa ist beeindruckt von seinem Mut und seinem Vertrauen in Gott und lässt ihn gehen. Paulus war öfter Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt, aber er sagt: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag.“ Und zieht daraus Zuversicht und Kraft für sein weiteres Wirken.

„ … Bis zum heutigen Tag“ Die Frauen der Frauenhilfe haben einiges erlebt bis zum heutigen Tag. Aus ihren Erzählungen erfährt man von den Herausforderungen und Krisen, die sie in ihrem Leben bisher bewältigen mussten. Dennoch haben sie sich in der Frauenhilfe immer wieder für ihren Glauben und ihre Gemeinde eingesetzt. Sie organisieren jährlich den Weltgebetstag der Frauen. Sie haben das Café Gute Laune am Sonntag ins Leben gerufen, bei dem sich Senior*innen einmal im Monat am Sonntag bei Kaffee und Kuchen austauschen, ebenso wie die alljährliche Seniorenadventsfeier. Und die Frauen kümmern sich um einander. Zweimal im Monat treffen sie sich und laden Referent*innen ein, die sowohl lehrreiche als auch unterhaltsame Vorträge halten. Gäste sind immer willkommen. Jetzt im August planen sie ihre Aktivitäten und Treffen für das zweite Halbjahr 2025.

Der Monatsspruch kann auch für uns eine Botschaft für unseren Alltag enthalten: „Wenn dich die Zukunft plagt, dann schau zurück!“ Wenn das, was vor uns liegt ungewiss ist, wir uns davor sorgen, was kommen wird, dann können wir zurückschauen und genauso wie Paulus sagen: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge.“

Lassen wir uns ermutigen, auf das zu schauen, was Gott in unserem Leben, in unserer Vergangenheit Gutes getan hat. Gerade dann, wenn uns die Zukunft Sorgen macht. Morgen wird dieser Moment, den wir jetzt erleben, Vergangenheit sein und wir werden wissen, dass wir das gut überstanden haben, was jetzt noch vor uns liegt – mit Gottes Hilfe.

 

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst

Monatsspruch 07/25

Bildquelle: N. Schwarz © GemeindebriefDruckerei.de

 

Liebe Sorgenvolle,

kennen Sie das auch? Sie kommen nicht in den Schlaf vor lauter Sorgen: im Beruf oder in der Schule gibt es Probleme, die Tochter hat Liebeskummer, das Geld reicht vorne und hinten nicht, die Oma ist krank, die unerledigten Aufgaben türmen sich. Im Kopf dreht sich ein Sorgenkarussell, aus dem Sie keinen Ausweg finden.

Gerade wir in Deutschland sind Europameister im Sorgenmachen - vor Klimawandel, Inflation, Sicherheit und Jobverlust. Ganze Branchen profitieren von unserer Angst und unseren Sorgen – die Versicherungen, die Medien, die Sicherheitsbranche.

Der Monatsspruch aus dem Brief des Paulus an Philipper hat da einen Rat: "Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ Paulus hat ihn aus dem Gefängnis heraus geschrieben an die erste christliche Gemeinde in Europa, die ihm besonders am Herzen lag. Man sollte doch meinen, dass Paulus gerade genug eigene Sorgen hatte. So wie die Menschen in der Gemeinde, die sich erst mit dem neuen christlichen Glauben und der Gemeinschaft arrangieren mussten und sicher mit Konflikten zu kämpfen hatten. Aber Paulus fordert sie auf, die Sorgen in Gottes Hände zu legen.

Ob die Probleme sich dann in Luft auflösen? Wohl kaum. Dies ist sicher keine Aufforderung, die Hände in den Schoss zu legen nach dem Motto "Gott wird's schon richten". Aber zu Gott zu beten, die Sorgen vor Gott auszubreiten, kann helfen, die eigenen Gedanken zu ordnen. Das Problem zu benennen, ist oft schon der ersten Schritt zur Lösung und damit aus dem Sorgenkarussell. Ich erkenne vielleicht, dass ich etwas nicht ändern kann. Nicht alles liegt in meiner Hand und ich kann diese Sorgen getrost Gott überlassen. Beten hilft mir, inneren Frieden zu finden und kann verhindern, dass ich von negativen Gedanken und Gefühlen überwältigt werde. 

Das erinnert mich an das bekannte Gelassenheitsgebet: "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

In diesem Sinne: bleiben Sie gelassen und vertrauen Gott die Probleme an, die Sie nicht lösen können.

 

Ihre Prädikantin Gudrun Schlaphorst